Es gibt Betriebe, die ihre Geschichte in Jahreszahlen erzählen, und solche, bei denen die Jahreszahlen etwas bedeuten. Bei Giannikos ist es das Zweite.
Ein Weingut, das schon einmal von vorn angefangen hat
Angefangen hat die Familie 1896 im antiken Mykene — dort, wo Agamemnon regiert haben soll und wo seit Jahrtausenden Wein wächst. Hundert Jahre später brannte das Weingut ab. Michalis Giannikos hat es 1996 wieder aufgebaut, ein Stück weiter, an den Hängen des antiken Korinth.
Aufgewachsen ist er zwischen genau diesen Rebzeilen, dazu Oliven- und Orangenhaine. Wer so groß wird, entscheidet sich nicht für den Weinbau. Man ist schon drin.
Bio, als das noch niemand verlangt hat
Nach dem Wiederaufbau hat Michalis Giannikos etwas getan, das damals in Griechenland kaum jemand machte: Er stellte auf biologischen Anbau um und wurde einer der ersten Bio-Winzer des Landes. Nicht, weil ein Markt danach gefragt hätte — den gab es nicht —, sondern weil er überzeugt war, dass guter Wein im Weinberg entsteht, aus gesunden Reben.
Heute sind es acht Hektar auf zwei Lagen, in Korinth und in Mykene. Das ist wenig. Es ist genau so viel, wie eine Familie selbst bearbeiten kann.
Ein Umweg über Österreich
Inzwischen arbeitet sein Sohn mit im Betrieb. Gelernt hat er den Weinbau nicht in Griechenland, sondern in Österreich.
Das ist eine seltsame und schöne Schleife: Ein junger Grieche kommt zum Studieren hierher, geht zurück in die Weinberge seines Vaters — und ein paar Jahre später steht dieser Wein in St. Pölten im Regal. Als wir im Frühjahr dort waren, haben wir genau darüber am längsten geredet.
Die Sorten, um die es geht
Giannikos macht ausschließlich reinsortige Weine — jede Rebsorte für sich, ohne Verschnitt. Der Gedanke dahinter: Griechenlands eigene Sorten sollen zeigen, was sie können, statt in einer Cuvée unterzugehen.
Da ist der Roditis, eine alte Peloponnes-Sorte, die hier seit Jahrhunderten wächst. Der Agiorgitiko aus dem benachbarten Nemea, Griechenlands wohl bekannteste rote Sorte. Und Malagouzia, die vor wenigen Jahrzehnten fast verschwunden war und heute zu den spannendsten weißen Sorten des Landes zählt.
Daneben stehen Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Chardonnay und Viognier — internationale Sorten, aber auf griechischem Boden und nach denselben Regeln.
Retsina — und warum er nach Harz schmeckt
Unter den Weinen ist einer, der Erklärung verdient: der Retsina.
Retsina ist der bekannteste und meistmissverstandene Wein Griechenlands. Er bekommt seinen harzigen Ton nicht durch ein Aroma, sondern durch echtes Harz der Aleppo-Kiefer, das während der Gärung zugesetzt wird. Ursprünglich diente es der Haltbarkeit — die Amphoren wurden damit abgedichtet, und der Geschmack blieb auch dann, als es die Amphoren längst nicht mehr gab.
Gewonnen wird das Harz bis heute von Hand: Die Rinde wird angeritzt, darunter hängt ein Beutel, in den das Harz über Wochen langsam hineinläuft. Wir sind im Frühjahr zufällig an solchen Bäumen vorbeigekommen — man sieht diese Beutel überall an den Stämmen, wenn man weiß, wonach man schaut.
Ein guter Retsina schmeckt nicht nach Kiefernreiniger, sondern nach Wald, Zitrus und Salz. Der von Giannikos ist ein solcher — biologisch, aus Roditis, und ein guter Einstieg für alle, die Retsina bisher für eine Mutprobe gehalten haben.
Was wir von Giannikos führen
Elf Weine, alle biologisch. Drei davon, wenn du anfangen willst:
- Retsina „Roditis“ — BIO · der oben beschriebene · 16,90 €
- Agiorgitiko „Lion“ — BIO · die rote Leitsorte der Region · 19,90 €
- Roditis „At Sea“ — BIO · die alte Peloponnes-Sorte, weiß · 17,90 €
Warum wir hinfahren
Weine kann man aus Listen bestellen. Wir fahren trotzdem hin — weil man an einer Liste nicht sieht, wie ein Weinberg gepflegt ist, und weil man am Telefon nicht erfährt, dass jemand sein Weingut nach einem Brand noch einmal aufgebaut hat.